Fiktion

Falkenjunge

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Mo sitzt an die Steinmauer gelehnt und muss dringend gähnen, seine Augenlieder wollen Feierabend haben. Er zieht die Stirn immer so hoch, dass sich Rillen bilden, Marionettenschneisen, obwohl er im Moment kein bisschen am Nachdenken ist. Mo starrt auf die Fotos an der Raufasertapete, seine Ohren haben für heute dicht gemacht, geschlossen, keiner Zuhause, Nachtruhe, für den Schwachsinn sowieso niemals offen gewesen, er ist ja kein Wandervogel, an die Wand gerotzt in Lederhose, aber nicht so ne Latex SM Black Door Hose, sondern eine Buxe, eine Lederbuxe auf Wanderschaft mit Abzeichen und einer guten Tat in der Tasche. Die Gruppe minderjährig und mit Panorama. Am Mikrofon spuckt Einer, der da mitgewachsen ist, die Abenteuer aus. Ungarischer Rotwein, Mädchentraube, viel zu süß, Mo nuckelt an der Flasche und schiebt seine schwarze Kapuze über den rasierten Indianer.

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Die Ohrfeige

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Ich bin sieben Jahre alt und besuche eine Freundin. Wir sehen fern. Es läuft irgendein Krimi. Es ist das erste Mal für mich. In dem Film wird eine Frau entführt. Mehrere Männer rennen auf sie zu und überwältigen sie. Die Frau schreit und strampelt. Die Entführer treten ihr wieder und wieder in den Bauch, damit sie aufhört, sich zu wehren. Die Männer verschränken ihr die Arme auf dem Rücken und schleppen sie gebeugt zu einem Transporter.

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Berliner Freundschaften

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Auf Deinem Arm sitzt zwischen Ästen eine Katze, CAT, Katriina the KAT, Gatto heißt sie in Deiner schönen Muttersprache. Das Tattoo hast Du dir in Berlin stechen lassen. Weil ich nicht mehr bei Dir wohne, weiß ich nicht, welches Studio Du ausgewählt hast. Doch Du hast von einem Abend erzählt, an dem Du in einem glitzernden Club gewesen bist.

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